St. Petrus Canisius Kirche

Das Canisiushaus an der Hiberniastraße gilt als erster Versammlungsort der Katholischen Christen in der Bergarbeiterkolonie der Zeche „General Blumenthal“. Hier fanden seit etwa 1926 Sonntagsgottesdienste statt. Bereits früher diente das Haus werktags als Kindergarten. Der Altarbereich wurde dann durch einen Vorhang vom Versammlungsraum abgetrennt. Der 1939 errichtete Seelsorgebezirk wurde 1948 aus der canisius1Liebfrauenpfarrgemeinde ausgegliedert und zur Pfarrei erhoben. Im selben Jahr gelang es der Gemeinde, eine Notkirche aus Trümmern zu errichten, in der am 28. Mai 1949 der erste Gottesdienst gefeiert werden konnte. Im Jahre 1952 wurden Reliquienteile des Heiligen Petrus Canisius von Augsburg nach Recklinghausen überführt, die später in der neuen Kirche unterhalb des Altars beigesetzt wurden. Petrus Canisius (1521- 1597) war in einer schwierigen Zeit des Umbruchs als Prediger, Gesprächspartner geistlicher und weltlicher Herrscher, theologischer Schriftsteller einer der großen Reformer und Erneuerer der Kirche. Mit dem Bau der heutigen, nach ihm benannten Kirche wurde 1961 begonnen und 1963 eingeweiht. Im Kirchturm befinden sich vier Bronzeglocken, die auf das Geläut der benachbarten evangelischen Johanneskirche abgestimmt ist.

Beschreibung der Kirche und ihrer Ausstattung

Die Kirche St. Petrus Canisius bildet mit dem seitlich angebundenen Pfarrsaal, der früheren Notkirche, sowie dem auf der anderen Kirchenseite gelegenen ehemaligen Pfarrhaus die östliche Begrenzung des Drissenplatzes innerhalb der früheren Bergarbeitersiedlung. Der Kirchturm ist als Campanile dem Kirchengebäude vorgelagert. Das Gotteshaus wurde als Hallenkirche konzipiert und mit einem flach geneigten Satteldach versehen. Seit der Umgestaltung im Jahre 1995 befindet sich der Altar aus Travertin auf einer um eine Stufe erhöhten Altarinsel. Nach Osten wird die Altarinsel durch eine kreissegmentförmigen Wand begrenzt.

Die sakralkünstlerische Ausgestaltung der Kirche, wie etwa der Tabernakel und das Altarkreuz in silberartiger Materialoberfläche sowie das Taufbecken, die Marienstatue in der früheren seitlichen Taufkapelle und die Kreuzwegstationen, wurde nach Entwürfen der Künstlerin Hildegard Bienen aus Bronzeguss geschaffen. Ihr war der Auftrag übertragen worden, die gesamte Innengestaltung der Canisiuskirche zu entwerfen. Eine große Aufgabe, durch die sie in Fachkreisen bekannt und weiter empfohlen wurde.

Das himmlische Jerusalem hat Hildegard Bienen auf dem Westfenster der 1963 fertiggestellten Kirche abgebildet. Das Fenster nimmt die gesamte Fläche des Westgiebels ein, lediglich die beiden Portale sind ausgespart. Das szenische Geschehencanisius2 konzentriert sich auf den Mittelteil. Unter dem Lamm Gottes befinden sich die sieben Leuchter und ringsum die Schar der Engel, die alle dem Lamm zugewandt sind und sich anbetend vor ihm verneigen. Das gesamte Fenster ist sehr hell und lichtdurchlässig gehalten und unterstützt dadurch die lichte Weite und Höhe des Kirchenraumes. Außer der Sockelzone, die in verschiedenen Nuancen von Blau gehalten ist, sind Weiß, Grau und Hellblau die vorherrschenden Farben, in die sich ein Kreisbogen aus goldgelbem Glas einfügt, der wie ein Heiligenschein das Lamm umgibt.

In den sehr hoch, unmittelbar unter der Decke angebrachten kleinen quadratischen Fenstern des Kirchenschiffes schildert Hildegard Bienen Gleichnisse aus dem Leben Jesu Christi.

Ein wandhohes Fenster an der Südseite des Altarraumes behandelt das Pfingstfest, die Herabkunft des Heiligen Geistes. Dabei versuchte die Künstlerin das gewaltige Brausen des Heiligen Geistes in zungenförmigen Farbsegmenten zu gestalten.

In einem aus der Nordseite herausragenden Arm eines einseitigen Querschiffes, in dem sich die Werktagskapelle befindet, sind neun Rundfenster eingelassen, von denen das mittlere die heilige Cäcilia mit ihrem Instrument zeigt. Die übrigen Fenster sind rein ornamental gestaltet.

In der ehemaligen Taufkapelle nimmt das Fenster mit der Darstellung der Auferstehung die gesamte Fläche der Breitseite ein. Hier ist, im Gegensatz zu den übrigen aus Flachglas gestalteten Fenstern, Dickglas verwendet. Die szenische Darstellung ist auf die Gestalt eines Engels beschränkt, der mit weit ausgebreiteten Flügeln auf dem Rand des Grabes sitzt und auf den Auferstandenen verweist, der in goldgelber Lichterfülle angedeutet wird.

Ausblick

Jahrzehnte fanden die Gemeindemitglieder am Drissenplatz ein geistliches Zuhause, eine spirituelle Heimat in allen Phasen des menschlichen Lebens. Den Folgen des demografischen Wandels ebenso geschuldet wie der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft wird für die frühere Pfarrkirche St. Petrus Canisius keine alleinige Zukunft mehr als Gotteshaus gesehen. Ihre Umwidmung zu einem Kolumbarium stellt eine Chance dar, diesem Kirchort innerhalb des Gefüges der neuen Pfarrei einen besonderen pastoralen Schwerpunkt zu geben.

St. Barbara | Heilig Geist | St. Johannes | Liebfrauen | St. Petrus Canisius