St. Johannes-Kirche

Nach alter Urkunde soll um 1250 im Dorfkern von Suderwich einejohannes1 Johannes dem Täufer geweihte Taufkapelle gestanden haben. 1334 wird ein Presbyter mit Namen Friedrich in einem Dokument erwähnt, der an dieser Kirche Dienst tat und zu den Mitbegründern der Vestischen Kalandsbruderschaft gehörte, die sich wohltätigen Diensten widmete. 1441 brannte die Suderwicher Kapelle ab, wurde dann aber aus Haardsteinen neu errichtet. Nach einem Kirchenvisitationsbericht von 1630 waren damals Kirche und Gemeinde in einem beklagenswerten Zustand. Nach Beendigung des 30-jährigen Krieges ging es wieder aufwärts. 1683 erwarb die Gemeinde das Begräbnisrecht rund um die Kirche. Vorher wurden die Toten um St. Peter in der Stadt bestattet. 1820 wurde die kleine Dorfkirche auf dem Alten Kirchplatz neu errichtet. Den Friedhof verlegte man zum “Esseler Knapp”. Mit der Errichtung der Zeche König Ludwig IV/V um 1900 und später auch der Schachtanlage VII/VIII entstand ein großer Bedarf an Arbeitskräften. Die bäuerliche Struktur des Ortes wandelte sich und war nunmehr vom Bergbau bestimmt. Damit wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder von St. Johannes.

Baugeschichte

Ein neuer geräumiger Kirchenbau wurde erforderlich. Die Witwe Franziska Ehling stellte das Baugelände zur Verfügung. Der Architekt Franz Lohmann aus Recklinghausen fertigte den Entwurf. Die neue St. Johannes-Kirche wurde am 20.10.1904 geweiht. Mit dem 75m hohen Turm und dem 58m langen und 17 m hohen Kirchenschiff, dem weiten Chorraum und dem 5m breiten und ursprünglich 9,50m hohen Hochaltar ist ein großes Werk gelungen. Der Kirchturm birgt fünf Glocken, darunter die sog. “Johannesglocke”, eine der ältesten im Vest Recklinghausen.
Im Jahr 1987 wurde der Chorraum der Kirche nach den Plänen von Architekt Dreischoff neu gestaltet, der auch Ambo und Zelebrationsaltar entwarf. Eine neue Orgel wurde im Jahr 1988 eingeweiht.

Innenausstattung

Aus der alten Kirche wurde eine Figur Johannes des Täufers übernommen. Sie stammt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts und steht nun in der Turmkapelle. Aus der Dorfkirche stammt auch die Skulptur des Hl. Josef mit dem Kind, wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert. Auch sie befindet sich heute im Turm.
johannes2Das Missionskreuz von 1882 aus der Zeit des Kulturkampfes wurde auch aus der alten Kirche in die neu erbaute Johanneskirche überführt. Es hängt im Raum unter dem Turm. Nach der Renovierung im Jahr 1957 erhielt die Kirche einen Kreuzweg. Es sind Lindenholzschnitzereien von Professor Hoffmann aus München.
Der Hochaltar ist ein Werk münsterischer Holzbildhauerkunst mit Darstellungen aus dem Leben Jesu. Am Tabernakel stehen die Figuren des Hl. Ludgerus und des Hl. Bonifatius. Die Vorderseite des Hochaltars ist durch Steinreliefs mit Opferdarstellungen aus dem Alten Testament gestaltet: “Das Opfer Melchisedeks, das Opfer Abrahams, das Passahmahl”.
Die Strahlenkranzmadonna, im Mittelgang der Kirche aufgehangen, stellt die “Immaculata” dar. Maria steht betend auf der Weltkugel und zertritt der Schlange, Sinnbild für das Böse, den Kopf.
Die Kanzel weist einige biblische Darstellungen wie das Pfingstereignis und die Jakobsleiter auf. Die vier Evangelisten zieren figürlich die Kanzel.

Die Seitenkapellen und die Fenster

Der Marienaltar in der linken Seitenkapelle zeigt die Darstellung der Rosenkranzlegende. Der Hl. Dominikus erhält den Rosenkranz vom Jesuskind mit der Aufforderung, dieses volkstümliche Gebet bei den Gläubigen zu wecken.
Der Josefsaltar in der rechten Seitenkapelle zeigt die Sterbestunde des Hl. Josef. Jesus und Maria stehen an seinem Bett.
An der rechten Wandseite der Josefskapelle befindet sich das Relief “Das letzte Abendmahl”. Eine Holzschnitzerei, die in der ehemaligen Kommunionbank eingearbeitet war.
Einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen die neugotischen Fenster des Chorraumes und der Seitenkapellen, die figürlich gestaltet sind. Sie sind im “Nazarener-Stil” gearbeitet.
Das mittlere der Altarfenster zeigt den Gekreuzigten. Er ist das Heil der Menschheit. Maria und Johannes stehen dem Gekreuzigten zur Seite. Im lateinischen Wortlaut wird das Bild eindeutig erklärt: “Und er neigte sein Haupt und verschied.” Darunter befinden sich zwei Christussymbole, ein Fabeltier mit Adlerkopf und Vogelklauen sowie der Pelikan, der nach altem Volksglauben mit seinem Blut seine Jungen nährt und somit in der christlichen Symbolik ein Sinnbild für Jesus Christus ist.
Die Hauptgestalt im linken Fenster bildet der Pfarrpatron Johannesjohannes3 der Täufer. Er weist auf Jesus hin. Unter dem Bild sind drei weibliche Heilige zu sehen. Es sind die Hl. Cäcilia, die Hl. Barbara und die Hl. Clara.
Im rechten der Altarfenster wird der Märtyrertod des Johannes des Täufers dargestellt. Die Enthauptung steht bevor. Zwei Engel mit der Märtyrerpalme und Krone bezeugen, wer der wahre Sieger ist. Darunter befinden sich die Darstellungen von drei männlichen Heiligen. Es sind der Hl. Tarcisius, der Hl. Stanislaus Kostka und der Hl. Thomas von Aquin.
Das linke Fenster der Marienkapelle greift auf eine Legende zurück, nach der Maria schon als Kind von ihren Eltern in den Tempel nach Jerusalem gebracht wurde. Auf der unteren Bildfläche werden wieder drei Heilige gezeigt: Der Hl. Hermann-Josef, der Hl. Augustinus und der Hl. Bernhard von Clairvaux.
Im mittleren Marienfenster erscheinen zwei Großdarstellungen. Das untere Bild zeigt das tiefste Elend der Menschen. Adam und Eva werden durch den Engel mit dem flammenden Schwert aus dem Paradies vertrieben. Der lateinische Text lautet übersetzt: “Und Gott vertrieb sie aus dem Paradies der Wollust.” Über dieser Szene erhebt sich in strahlender Schönheit die andere Eva: Maria, die Himmelskönigin im Sternenkranz, umgeben von Engeln. Darunter sind die Hl. Agnes und der Hl. Aloysius zu sehen.
Das rechte Marienfenster zeigt Maria in ihrer größten Not. Jesus, vom Kreuz abgenommen, liegt in ihrem Schoß. Im Hintergrund ist ein sehr jugendlich aussehender Jünger Johannes zu sehen. Rechts im Bild erscheint Maria Magdalena und weitere Trauernde. Auch bei diesem Fensterbild fehlen nicht die Bilder von drei Heiligen: Die Hl. Katharina von Siena, die Hl. Elisabeth und die Hl. Franziska.
Das linke Fenster der Josefskapelle zeigt die Heilige Familie, Josef, Maria und den Jesusknaben. Über der Szene sieht man die beiden Gesetzestafeln des Mose, die “Zehn Gebote”. Über dem Großbild sind Gott-Vater, mit der Tiara geschmückt, und der Heilige Geist zu sehen. Das Alpha und Omega weisen auf Christus, den Anfänger und Vollender des Glaubens hin. Dieses Bildfenster trägt eine bemerkenswerte Unterschrift: “Zeige uns, Herr, das Vorbild deiner Familie!”
Das rechte Josefsfenster zeigt im Hauptbild die Heilige Familie. Eine Szene der alltäglichen Arbeit ist dargestellt. Dabei begleiten Engel die Arbeitenden mit fröhlicher Musik. Der eine Engel hat eine Flöte, ein anderen Engel eine Laute, ein dritter weist bedeutungsvoll mit der Hand nach unten, um zu verdeutlichen, für wen hier musiziert wird. Josef erscheint als Zimmermann mit Winkeleisen, Hammer, Hobel, Werkzeugkasten und Planentwurf.
Unten sehen wir wieder drei Heiligengestalten: den Hl. Alfons von Liguori, die Hl. Theresia von Avila und den Hl. Franz von Sales.
Das mittlere Josefsfenster zeigt den Hl. Josef als Patron der Kirche. Die umgebenden Engel tragen den Hirtenstab, die drei Schlüssel päpstlichen Regierens sowie den Petersdom in Rom. Papst Pius IX ist hier dargestellt.
Neben dem Bild des Papstes erkennt man zwei Gestalten, die die Basis der Kirche bilden. Links die bäuerlich gewandete Gestalt mit Sichel und der alten Dorfkirche und rechts einen Bergmann mit Schlägel und Eisen und dem Schachtgerüst von König Ludwig IV/V. Die beiden damals wichtigsten Suderwicher Bevölkerungsschichten werden als gottesdienstliche Gemeinde veranschaulicht.

| St. Barbara | Heilig Geist | St. Johannes | Liebfrauen | St. Petrus Canisius |