St. Barbara-Kirche und St. Barbara-Kapelle

„Kommt zu Ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist.“ (1 Petr 2, 4) – so stand es von 1953 bis 2011 im Grundstein der St. Barbara-Kirche, und so steht es heute im Grundstein der St. Barbara-Kapelle, die am 4. Juni 2011 von Weihbischof Dieter Geerlings geweiht wurde.
Der Bau beider Gotteshäuser – und auch die Aufgabe der Kirche –barbara1 waren eine Konsequenz der veränderten Situation der Kirche und der kirchlichen Bindung der Menschen in Deutschland und in Suderwich.
Im Südosten der Pfarre St. Johannes entstand 1907/1908 für die Schachtanlage „König Ludwig IV/V“ beiderseits der Sachsenstraße die „Neue Kolonie“, vornehmlich für Menschen, die dem Bergbau verbunden waren. Weitere Siedlungen wurden 1934 erstellt. Von 1929 bis 1954 fanden Gottesdienste in einer Baracke der katholischen Schule an der Henrichenburger Straße statt, die 1957 abbrannte. Ein Kirchbauverein konstituierte sich erstmals 1936. Der für 1938 geplante Kirchbau am Eichenweg wurde durch die nationalsozialistischen Behörden verhindert. 1951 bildete sich erneut ein Bauverein für einen Kirchbau an der Bladenhorster Straße. Der 1954 errichtete Seelsorgebezirk wurde 1956 als Pfarrrektorat seelsorglich verselbständigt. Die endgültige Abtrennung von St. Johannes erfolgte 1957 mit der Pfarrerhebung.
Die St. Barbara-Kirche wurde unter großer Mithilfe der Menschen der zukünftigen Pfarrgemeinde erbaut und am 20.6.1954 eingeweiht. Der Duisburger Architekt Cremer schuf ein weiträumiges, einladend helles Gotteshaus, das zusammen mit dem ausgebauten Turm (zuerst Wohnung von Pfarrer Buchinger, anschließend Gruppenräume für die Gemeindearbeit) über 50 Jahre lang jungen und alten Menschen einen würdigen Gebets- und Gottesdienstort und einen geschätzten und überaus gut angenommenen Lebensraum bot. Im Laufe der Zeit kamen ein Mosaikkreuzweg (1962, von Künstler Josef Diekmann), eine Orgel der Firma Breil und im Chorraum ein Ambo, moderne Fenster des Künstlers Bodo Schramm und ein Zelebrationsaltar aus Teilen des bisherigen Hochaltars dazu.
1957 wurde St. Barbara als eigenständige Pfarrei von St. Johannes abgepfarrt und war bis zur Zusammenlegung als Seelsorgeeinheit mit Hl. Geist, Essel und St. Johannes im Jahr 2004 eine eigenständige Gemeinde.
Im Jahr 2006 beschloss das Bistum Münster zusammen mit dem Kirchenvorstand, sich von einer Kirche der Seelsorgeeinheit zu trennen, da die Zahlen der Pfarrangehörigen – wie überall in der deutschen Kirche – stark zurückgingen. Der Abriss der St. Barbara-Kirche löste im Vorhinein wie im Vollzug große Betroffenheit bei den Menschen auf der Heide aus.
Stimmig und gut war es deshalb, dass eine Kapelle an das Pfarrheim angebaut wurde. Die Grundsteinlegung am 19.12.2010 setzte ein deutliches Zeichen dafür, dass der Kirchort St. Barbara auch in Zukunft liturgisch, pastoral und caritativ lebendig sein will und soll.
Wie die Kirche ist auch die Kapelle hell und einladend. Dazu tragen vor allem die Fenster von Bodo Schramm bei, die wie viele andere Dinge aus der Kirche mitgenommen wurden. Sie zeigen eindrucksvoll Gott als Schöpfer, als Gott der Gegenwart und als Gott der Vollendung in Szenen aus Gen 1, Ex 3 und Off 21.
Glaube umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – ein deutliches Zeichen dafür setzt auch das Kruzifix in der Sakristei der Kapelle, das noch aus der ersten Notkirche stammt.
barbara2Vertraut ist ebenso der (verkleinerte) Altar aus der Kirche mit den Reliquien der Heiligen Coronata und Lucida, der Ambo, das Ewige Licht in Form einer Bergmannsleuchte, gefertigt in den Werkstätten der Zeche König Ludwig, und das Bild der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe. Auch der Grundstein der Kirche hat seinen Platz in der Kapelle, am Fuß des Tabernakels, dessen Türen, wie in der Kirche, die Bilder des auferstandenen Christus und des staunenden Apostels Thomas zeigen.
Der Raumumfang der Kapelle kann bei Bedarf mit dem Pfarrsaal von 50 auf 300 Sitzplätze erweitert werden, so dass die Orgel, die von der Firma Stockmann aus Werl neu entworfen und gebaut wurde, die Möglichkeit bieten musste, beide Räume angemessen zu bespielen – was gut gelang.
Eine Besonderheit am Kirchort St. Barbara bildet außerdem das Glockenhaus. Die beiden Stahlglocken „Maria“ und „Barbara“ aus dem Turm der Kirche läuten heute in einem ehemaligen Trafohäuschen unmittelbar neben der Kapelle. Ihr Ton begleitet noch immer die Stunden der Menschen auf der Suderwicher Heide und lädt ein zum Gottesdienst.

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