Liebfrauenkirche

Die Pfarrkirche Liebfrauen befindet sich im östlichen Teil der Stadt Recklinghausen. Ein Blick in die Geschichte belegt bereits eine frühe schriftliche Erwähnung um das Jahr 1050 dieser Gegend als Bauerschaft Hillen. Die Güter in Hillen unterstanden früh der Verwaltung des Abtes der Abtei Werden an der Ruhr.

Baugeschichte

Mit der Nordwanderung des Bergbaus sowie der Abteufung der Schachtanlage „General Blumenthal“ im Jahr 1873, südwestlich der Bauerschaft Hillen an der Eisenbahnstrecke Wanne-Münster, entstanden an der Dortmunder Straße eine Bergarbeiterkolonie und Ansiedelungen im Gebiet des Hiller Weges (Castroper Straße).liebfrauen Die explosionsartige Zunahme der Bevölkerung gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte auch eine Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur und Ausbreitung der Stadt zur Folge. Diese machte auch den Bau einer weiteren Kirche in Recklinghausen notwendig, und zwar in der Nähe der Altstadt, jedoch außerhalb der ehemaligen Stadtbefestigungen im alten Siedlungskern Hillen. Dazu stellte Heinrich Pill, genannt Sanders, vier Morgen seines Landes zur Verfügung.
Zunächst wurde im Jahr 1900 an der früheren Suderwicher Straße (heute Castroper Straße 43) eine Notkirche errichtet, die auf den Titel „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ bzw. „Rosenkranzkirche“ geweiht wurde. Mit der Zeit bürgerte sich jedoch der Name „Liebfrauenkirche“ ein.
Im Jahr 1901 begann man mit dem Bau der neuen Liebfrauenkirche. Mit den Planungen beauftragte man den Recklinghäuser Architekten Franz Lohmann.
Die kirchliche Konsekration erhielt die neue Kirche am 19. Oktober 1903.
Die Kirche liegt auf einer Anhöhe im Dreieck der Liebfrauen- und der Rosenstraße. Im weithin sichtbaren 75 m hohe Turm befinden sich fünf Glocken des Bochumer Vereins.

Innenausstattung

Beim Betreten der Liebfrauenkirche imponiert der hohe Innenraum der dreischiffigen Hallenkirche, der durch hohe Fenster sowie Fensterrosen erhellt wird.
Am Rand der Vierung steht auf einer Erhöhung der Altar, der 1978 von Hildegard Schürk-Frisch geschaffen wurde. Sie hatte sich mit der Architektur der Liebfrauenkirche vertraut gemacht und griff die gotischen Spitzbögen der Fenster auf und setzte zentrale Themen aus dem Marienleben an die vier Eckpfeiler des Altares: Verkündigung, Hochzeit zu Kana, Pietá, Geburt Christi. Von der Künstlerin stammt auch der links neben dem Altar aufgestellte Ambo mit der Darstellung Mariens im Kreise der Apostel, die das Kommen des Heiligen Geistes erwarten.
In der Apsis des Hochchores steht der frühere Hochaltar aus dem Jahr 1904, der aus den Werkstätten Siebe aus Wiedenbrück und Bücker aus Rheda stammt. Mit seinen Ausmaßen von 9 m Höhe und 6 m Breite fügt er sich harmonisch und thematisch in den Chorraum ein. Die Motive in der steinernen Vorderfront greift den Opfergedanken des Alten Testamentes auf: die Opferung Isaaks, das apokalyptische Lamm und das Opfer des Melchisedech. Die in den Seitenflügeln des Altaraufbaus dargestellten Szenen lassen eine liebfrauen2am Leben und der Botschaft Jesu orientierte Thematik erkennen. Mit der Verkündigung und der Geburt sind die Anfänge des Lebens Jesu markiert. Das Brotbrechen mit den Jüngern in Emmaus und die Auferstehung sind Botschaft und Vermächtnis Jesu an uns heute.
Ebenfalls im Chorraum ist das Chorgestühl aufgestellt, das mit ornamentalen und floralen Motiven reich geschmückt ist. Lilien und Rosenblüten weisen dabei auf Maria hin.

An der Stirnseite des südlichen Seitenschiffes ist der Marienaltar aufgestellt. Das Altargemälde nimmt Bezug auf das Patrozinium der Kirche und zeigt die Legende, dass Maria den Rosenkranz an den Heiligen Dominikus übergibt.
Der Seitenaltar im nördlichen Seitenschiff ist dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Vor diesem Seitenaltar ist auch das Taufbecken platziert.

Zu den wertvollsten Ausstattungsstücken gehört die im Jahr 1928 zum 25-jährigen Jubiläum der Kirche eingebaute Orgel der Firma Breil aus Dorsten. Der Orgelprospekt wie auch die Brüstung der Orgelbühne sind mit gotischen Spitzbögen geschmückt. 1980 erfolgte eine grundlegende Renovierung des Instrumentes. In verschiedenen Bauabschnitten fanden bis zum Jahr 2000 Erweiterungen statt, so dass die Orgel heute über 49 Register verfügt.

Die Fenster der Liebfrauenkirche

Im Zentrum des mittleren Chorfensters ist der Auferstandene Christus mit der Siegesfahne dargestellt. Die Chorfenster rechts und links neben dem Auferstandenen weisen eine einheitliche Gliederung auf. Im oberen und zentralen Feld werden jeweils biblisch-theologische Aussagen zum Leiden, Tod und Opfer bildlich dargestellt. In den unteren Bereichen erfolgen Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten der Kirche. In diesen Fenstern sind Szenen aus der Passionsgeschichte zu sehen: Das linke Fenster zeigt Jesus am Abend vor seinem Tod im Garten Gethsemani. Im unteren Bereich sind zu sehen Kaiser Heinrich II. und die Apostel Petrus und Paulus. Im rechten Fenster ist die Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen auf seinem Leidensweg abgebildet. Im unteren Bereich dieses Fensters sind der hl. Bernhard von Clairvaux, der hl. Liudger und der hl. Antonius von Padua zu sehen.
Das Fenster über dem linken Seitenaltar ist dem hl. Josef gewidmet. Er wurde 1870 zum Schutzpatron der katholischen Kirche und 1889 zum Patron aller Stände ernannt. 1956 erhob ihn die Kirche zum Patron der Arbeiter. In der Mitte des Fensters ist der Tod des hl. Josefs dargestellt. Über dem rechten Seitenaltar befindet sich das Marienfenster. Maria war seit Jahrhunderten als Mutter Christi im Leben der Christen tief verankert und verwurzelt. Die Krönung Mariens durch die heilige Dreifaltigkeit, die in diesem Fenster dargestellt ist, war ein Hauptthema der Gotik. Rosenblüten, Perlenschnur und das „M“ für Maria im Spitzbogen des Fensters weisen auf die Gottesmutter hin. Musizierende Engel unterstreichen die Bedeutung dieses Ereignisses.

Die Liebfrauenkirche wurde 1987 unter Denkmalschutz gestellt. Dafür sprechen die hervorragend genutzte Raumlage im Straßennetz, die harmonische Proportionen des Kirchbaus sowie der gute Originalbestand an Ausstattungsstücken aus der Erbauungszeit.
Mit der Fusion der beiden Pfarrgemeinden Liebfrauen und St. Johannes ist die Liebfrauenkirche zur Pfarrkirche der neuen Pfarrei Liebfrauen benannt worden.

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